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blog vom 24.08.2022

Interview mit Mara Pfeiffer

Fußballbuch des Jahres Wolfgang Frank Mara Pfeiffer

 

Mara Pfeiffers Wolfgang-Frank-Biografie "Der Fußball-Revolutionär" wurde von der Deutschen Akademie für den Preis "Fußballbuch des Jahres" nominiert. Im Interview erzählt die Autorin von ihren Recherchen, Erlebnissen und davon, warum Wolfgang Frank für den Fußball so wichtig war und immer noch ist. 

 

Mara Pfeiffer Wolfgang FrankMara, dein Buch ist von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur für den diesjährigen Preis „Fußballbuch des Jahres“ nominiert worden. Wie hat dich diese Nachricht erreicht – und was war der erste Gedanke, der dir durch den Kopf geschossen ist?

Ich habe einen ganz lieben Anruf aus der Akademie bekommen. Da ich selbst in der Jury für den Fanpreis bin, dachte ich, es geht darum, als ich die Nummer im Display gesehen habe, und war im ersten Moment total überrumpelt. Dann habe ich mich wirklich sehr gefreut – und habe mich ehrlicherweise direkt gefragt, was er wohl dazu sagen würde.

Kritiker loben an deinem Buch die präzise, umfassende und herausragende Recherche. Mit wie vielen Menschen hast du außer Jürgen Klopp und Joachim Löw – um mal zwei besonders prominente Gesprächspartner zu erwähnen – gesprochen?

Wolfgang Frank war ja von der Jugend zum Spieler über die Trainertätigkeit bei 23 Vereinen und mir war es wichtig, alle Stationen seines Lebens einzubeziehen. Insgesamt habe ich mit etwa 80 Menschen geredet, die privat oder beruflich mit ihm verbunden waren. Außerdem habe ich mich in analoge und digitale Archive vergraben – zum Glück steht heute sehr viel online – und natürlich in seine persönlichen Notizen, die mir seine Söhne tollerweise zur Verfügung gestellt haben. Ohne die beiden, ihre Zeit, Offenheit und ihr Vertrauen, wäre das Projekt ohnehin nicht möglich gewesen.

Und, wenn du das sagen magst, wer der von dir Befragten hat dich am meisten überrascht?

Mich hat weniger eine einzelne Person überrascht, als ein wiederkehrendes Thema, nämlich die enorme Zuneigung, mit der seine Weggefährt*innen über Wolfgang Frank sprechen. Ich habe mit meinen Anfragen wirklich offene Türen eingerannt und auch die Gespräche selbst waren dann von einer enormen Offenheit geprägt, was ich als großes Geschenk empfunden habe.

Du hast betont, dass diese Biografie für dich ein Herzensprojekt gewesen ist – sicher nicht nur, weil so viel Arbeit darin steckt …

Für mich ist bei Projekten wichtig, einen persönlichen Zugang zu finden. Letztlich kann ich mich in jedes Thema journalistisch einarbeiten, aber ich suche immer eine Art Verbindung. Über Frank hatte ich schon für den „ballesterer“ geschrieben und im Zuge dessen seinen älteren Sohn Sebastian erstmals getroffen. Wir sind im Gespräch irgendwann sehr intensiv beim Thema gelandet, wie das ist, den Vater zu verlieren. Was man macht, wenn man mit den Fäden in der Hand zurückbleibt, die zu einem Menschen führen, der immer da war und plötzlich nie wieder da sein wird. Nicht so, wie man das kannte. Das war meine Verbindung. Dazu kam dann, dass mich die Frage nicht losgelassen hat, wieso ein vielfältiges Leben mit unzähligen Verknüpfungen in den Fußball noch nicht aufgeschrieben worden ist. Also habe beschlossen, Franks Geschichte zu erzählen – oder eine mögliche Version davon.

Was verdankt der Fußball Wolfgang Frank und was könnten heutige Spieler und Trainer von ihm vielleicht (noch) lernen?

Wenn man sieht, wie viele Menschen, die im Fußball tätig sind, Wolfgang Frank geprägt hat, kann man seinen Einfluss eigentlich nicht hoch genug einschätzen. Was ich spannend finde, ist, dass er sowohl in Sachen Taktik ein großer Einfluss auf die Entwicklung heutiger Trainer war, als auch mit seiner enormen Menschlichkeit im Umgang mit anderen. Natürlich haben sich die taktischen Elemente, für die Frank stand – wie Viererkette und Raumdeckung – seit seiner aktiven Zeit weiterentwickelt. Aber sie stecken eben nach wie vor tief im Fußball. In Sachen Menschenführung ist er ganz sicher ein gutes Vorbild. Er hat sehr viel verlangt, aber auch sehr viel gegeben. Das ist eine extrem gute Basis.

Mara Pfeiffer
Mara Pfeiffer

Mara Pfeiffer

ist freiberufliche Journalistin und Autorin. Seit vielen Jahren begleitet sie den 1. FSV Mainz 05 mit ihrer Kolumne und dem Videoformat „Wortpiratin rot-weiß“ in der AZ (Mainz) sowie als Expertin in SWR und Rasenfunk. Für die BBC schätzt sie Themen rund um die Bundesliga ein, im Sport1 „Doppelpass“, dem DLF oder rbb ist sie als Expertin zu Gast. Pfeiffer gehört zur Crew des Podcast FRÜF – Frauen reden über Fußball, ausgezeichnet mit dem Goldenen Blogger. Im Podcast Flutlicht an! spricht sie mit Menschen über Fußball, die zu wenig im Rampenlicht stehen. In ihrer WEB.de-Kolumne schreibt sie über gesellschaftliche Schieflagen und wie diese sich im Fußball widerspiegeln. Bei der Auszeichnung „Journalist*in des Jahres“ wählte die Jury des Medium Magazins sie im Sport 2021 auf Platz 3.

Foto: Christian Kuhlmann

 

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